Forderungen der DKP in der Coronakrise

Solidarisch und entschlossen handeln!
Gegen das Abwälzen der Krisenlasten auf die arbeitende Bevölkerung!
Für ein menschenwürdiges Gesundheitssystem!
Gegen den Grundrechteabbau im Schatten der Krise!
Für Internationale Solidarität und Zusammenarbeit! Weg mit den Sanktionen!
Für den Sozialismus!

Die Situation ist ernst. Das Virus Sars-CoV-2 ist gefährlich. Diese Gefahr verschärft sich, da es auf den katastrophalen Zustand eines auf Gewinn orientierten Gesundheitssystems trifft. Durch eine Risikoanalyse unter Federführung des Robert-Koch-Instituts weiß die Bundesregierung seit 2012, dass eine solche Pandemie wahrscheinlich ist, und was in dem Fall nötig und zu tun ist. Dennoch wurde das Gesundheitssystem seit 2012 weiter privatisiert und ausgeschlachtet. Dennoch gibt es für Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Krankenhauspersonal bis heute nicht genug Schutzkleidung und Testmöglichkeiten, geschweige denn für Alten- und Pflegeheime und für die Bevölkerung insgesamt. Merkels und Spahns "Wir schaffen das!" ist eine Farce.

Die Coronapandemie trifft auf eine bereits vorher begonnene zyklische Wirtschaftskrise und verschärft diese. Die Pandemie wird genutzt, um die Krisenlasten auf die Bevölkerung abzuwälzen und dauerhafte Maßnahmen ohne viel Widerstand gegen die Lohnabhängigen durchzusetzen. Während Banken und Konzerne mit Milliarden-Paketen gerettet werden, muss die Arbeiterklasse zahlen - durch Lohnverzicht und Jobverlust, durch Kurzarbeit auf der einen Seite und verlängerte Arbeitszeiten in den sogenannten systemrelevanten Bereichen. Über ihr Steueraufkommen bezahlen die Beschäftigen die Rettung der Banken und Konzerne. 

Die Bereitschaft, in der Öffentlichkeit Abstand zu halten und zu Hause zu bleiben, damit sich der Virus nicht zu schnell verbreitet, ist groß. Die Menschen lassen sich auf weitgehende Einschränkungen ein. Das tun sie in der Regel bewusst und freiwillig, die Regel- und Bußgeldkataloge von Bundes- und Landesregierungen lehnen wir ab. Menschen werden gezwungen in vollen Bussen zu ihr Arbeit zu fahren und dort auf  engem Raum in  Produktionshallen oder Großraumbüros zu arbeiten. Die größte Massenveranstaltung, die Teilnahme am Arbeitsprozess wird nur dort gestoppt, wo das für Konzerne und Banken sinnvoll ist oder für sie kein Problem darstellt. Kleingewerbetreibende werden lahmgelegt und in den Ruin getrieben. Sitzen aber mehr als zwei Leute auf der Wiese drohen Strafen - in Berlin schon, wenn man alleine auf einer Parkbank sitzt. Im Schatten der Pandemie wird der Notstand geübt - inklusive Bundeswehreinsatz im Innern.



Die Menschen retten, nicht die Banken und Konzerne!

In der Krise ist auf einmal Geld da ohne Ende, selbst die sogenannte Schuldenbremse wird aufgehoben. Die „Rettungsschirme“ zielen vor allem darauf, Großindustrie und Banken zu schützen. Die Zeche sollen Arbeiter, Angestellte und Kleingewerbetreibende zahlen. Die Angriffe, die jetzt gegen die Arbeiterklasse durchgeführt werden, werden massive und dauerhafte Auswirkungen auf die Mehrheit der Bevölkerung und die Gesellschaft haben, wenn wir sie zulassen.


Corona ist eine Klassenfrage. Die Auswirkungen der Krankheit und der Isolierung treffen Arme in der Regel härter und dramatischer. In der BRD lebt jedes fünfte Kind in Armut. Diese Kinder werden in Zeiten geschlossener Schulen und Homeschooling ohne ausreichende Technik und mangelnder Hilfe abgehängt. Für arme Familien in kleinen Wohnungen ohne Balkon oder Garten ist "Zuhause bleien" keine dauerhafte Option. Häusliche Gewalt steigt an. Selbsthilfegruppen können nicht stattfinden. Gleichzeitig sind Frauenhäuser überfüllt oder geschlossen. Ebenso wie die für viele Familien lebensnotwendigen Tafeln. In besonderem Maße sind Obdach- und Wohnungslose sowie Geflüchtete betroffen. Betteln in menschenleeren Straßen schafft keine warme Mahlzeit. Ein-Euro-Jobber wurden ohne Entschädigung "freigestellt". Erwerbslose, Minijobber und Soloselbständige bangen um ihre Existenzen.)

Aber auch bessergestellte Teile der arbeitenden Bevölkerung rutschen bei Kurzarbeit und länger andauernden Einkommensverlusten in die Not. Zehntausende sind jetzt schon davon betroffen.Nach Schätzungen werden weitere 2 Millionen Menschen arbeitslos. Die IG Metall geht davon aus, dass mehr als 2 Millionen Kolleginnen und Kollegen vor der Kurzarbeit stehen.

Arbeitsplätze, Löhne und das Arbeitszeitgesetz verteidigen!

- Konsequenter Kampf für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Einkommen! Verstaatlichung von Betrieben unter demokratischer Kontrolle!
- Weg mit den Angriffen auf das Arbeitszeitgesetz!
- Sicherstellung und strenge Kontrolle des Gesundheitsschutzes in den Betrieben!
- Bei Kurzarbeit Aufstockung des Lohns auf 100 Prozent!
- Ausweitung der Unterstützungsmaßnahmen für Soloselbständige, kleinere und mittlere Unternehmen!

Existenzen sichern - Zwangsmaßnahmen beenden!

- Sozial- und Versorgungsleistungen erhöhen! Verbot von Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger!
- Verbot von Zwangsräumungen und Kündigungen! Übernahme der Mietkosten für Menschen in Not durch den Staat! Verbot von Strom-, Gas-, und Wasser-Sperrungen!
- Staatliche Übernahme der Tafeln, Stopp der Zuzahlungen für medizinische Leistungen, Kostenlose Nutzung des ÖPNV
- Hilfsprogramme für Kinder und Schülerinnen und Schülern aus armen Familien, für alte Menschen und Kranke, für Menschen mit psychischen und Sucht-Erkrankungen, für Wohnungs- und Obdachlose und Geflüchtete!
- Öffnung der Parks und Grünanlagen!

Geld ist genug da! Die Reichen sollen zahlen! Runter mit der Rüstung!
- Sofortige Millionärs- und Milliardärsabgaben!
- Unternehmensabgaben für die von der aktuellen Situation profitierenden Unternehmen!
- Dauerhafte Streichung der sogenannten Schuldenbremse!
- Runter mit der Rüstung! Sofortige Rücknahme des 2-Prozent-Ziels der NATO-Aufrüstung
- Sofortige Kürzung des Rüstungshaushalts um 20 Prozent


Mehr Personal für die Gesundheit - Weg mit den Fallpauschalen!

Das Gesundheitswesen in der BRD wurde in den letzten Jahrzehnten gezielt der kapitalistischen Verwertung unterworfen. Die Gesundheitsversorgung ist zu einer Ware geworden, mit der private Betreiber Gewinne und Dividenden erwirtschaften. Die Einführung der sogenannten Fallpauschalen in den Krankenhäusern und Privatisierungen führten zu Rationalisierungen mit dem massiven Abbau von Pflege- und Reinigungspersonal. Das macht diese Pandemie so gefährlich. 

Der abzusehende medizinische Notstand erfordert ein sofortiges Umschwenken. Nötig ist jetzt der geplante Einsatz aller vorhandenen Mittel - von Geld, Produktionsanlagen und Personal. Notwendig ist die Bündelung aller wissenschaftlichen Kapazitäten zur Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen. Das Prinzip der kapitalistischen Konkurrenz steht dieser notwendigen Bündelung entgegen.

Ebenso wenig sind es die Gesetze von Gesundheitsminister Spahn. Die von den Beschäftigten erkämpfte Personaluntergrenze wurde gekippt.  Er hält am Prinzip der Fallpauschalen fest und es gibt keine gesetzlichen Verpflichtungen für die Einstellung von zusätzlichem Personal. Das erhöhte Pflegebudget, das dafür einen Anreiz bieten sollte, bekommen die Kliniken unabhängig davon, ob sie tatsächlich mehr Personal einstellen oder nicht. 

Der Umgang mit den Beschäftigten des Gesundheitswesens in dieser Krise ist ein Skandal. In den Kliniken und Pflegeheimen fehlt bis heute angemessene Schutzkleidung und es wird immer noch viel zu wenig getestet. Das Personal arbeitet am Anschlag. Anstatt ernsthaft mehr Personal zu gewinnen, zum Beispiel indem ehemalige Pflegekräfte unter Fortzahlung ihres aktuellen Gehalts für die Krise wieder im Krankenhaus beschäftigt werden, setzt man auf die Rückkehr von Rentnerinnen, die eindeutig zur Risikogruppe gehören, auf unbezahltes Ehrenamt und Zwangsverpflichtungen.

Private Kliniken führen nicht notwendige Operationen weiter durch, obwohl Betten und Personal dringend für die Versorgung von Corona-Infizierten freigehalten werden müssen. Und während händeringend Personal aufgestockt werden muss, wird in einigen Privat-Kliniken Kurzarbeit angemeldet, weil Gewinnausfälle befürchtet werden. 

Sofortmaßnahmen zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken!

- Umsetzung aller notwendigen Schutz- und Hygienemaßnahmen für alle Beschäftigte im Gesundheitswesen, in den Kliniken, Pflege- und Altenheimen, Reha-Einrichtungen und Arztpraxen!
- Systematische und flächendeckende Testung mit konsequenter, staatlich verordneter und damit bezahlter Quarantäne der positiv Getesteten und ihrer Kontaktpersonen!
- Sofortige Wiedereinführung der Qualitätskontrollen in den Pflegeheimen! Tests für Angehörige von Pflegeheimbewohnern und Schwerkranken! Besuchserlaubnis bei Negativ-Testung!
- Die Auslagerung von Reinigungspersonal, Sterilisation und anderen Diensten in Billigfirmen muss zurückgenommen werden. Die Standards dafür müssen erhöht werden.
- Beschlagnahmung privater Kliniken bei Anmeldung von Kurzarbeit!
- Verbot aller vermeidbaren geplanten Operationen!
- Sofortige Zahlung eines Pandemiezuschlags für die Beschäftigten!

Für ein menschenwürdiges Gesundheitswesen!
                                         
- Mehr Personal und höhere Löhne in Krankenhäusern und Pflegeheimen – nicht nur in der Krise! 
- Sofortige Abschaffung der Fallpauschale und Wiedereinführung des Selbstkostendeckungsprinzips!
- Rücknahme der Privatisierungen! Kein Profit mit der Gesundheit!

Geld ist genug da! Die Reichen sollen zahlen! Runter mit der Rüstung!

Demokratische Grundrechte verteidigen! Kein Bundeswehreinsatz im Innern!

Die Ausbreitung des Virus muss verlangsamt werden, um Leben zu retten. Dafür sind Einschränkungen nötig. Solidarität, Nachbarschaftshilfe und Besonnenheit der Bevölkerung sind gelebte Praxis, um diese Zustände erträglich zu machen. Im Kontrast dazu stehen die überzogenen Maßnahmen der Regierenden.

Grundrechte wie die Meinungsfreiheit und das Versammlungsrecht werden faktisch außer Kraft gesetzt. Der Schutz der Wohnung wird aufgehoben. Handyüberwachung und der Einsatz der Bundeswehr für hoheitliche Aufgaben des Staates sollen durchgesetzt werden. Kontrolle und Mitsprache der Parlamente werden eingeschränkt. Was im Rahmen der Notstandsgesetze bisher nur für den Kriegsfall galt, soll in Friedenszeiten erprobt und möglich gemacht werden. Damit wird eine Politik forciert, die seit längerem in Gang ist und unter anderem durch die Verschärfung der Polizeigesetze und die Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit gekennzeichnet ist. Der Staat rüstet auf, um in Krisenzeiten handlungsfähig zu sein und Widerstand zu brechen. Mit diesem wird offenbar gerechnet. 

Nicht nur wir Kommunistinnen und Kommunisten befürchten, dass die jetzt durchgezogenen Gesetzesverschärfungen, der Abbau von Grundrechten auch nach dem Abklingen der Epidemie bleiben - das war immer die Strategie der herrschenden Klasse. Das dürfen wir nicht zulassen!


Grundrechte verteidigen!

- Aufhebung der überzogenen Versammlungsverbote! Wir sind in der Lage uns zu schützen zum Beispiel mit "Kundgebungen auf Abstand"!
- Gegen Überwachung, Datenklau, Handy-Ortung und Drohneneinsätze!
- Die Privatsphäre ist zu schützen! Hände weg von unseren Wohnungen!
- Kein Bundeswehreinsatz im Innern! Hände weg vom Grundgesetz!


Weg mit den Sanktionen – Hoch die Internationale Solidarität!

Die Corona-Pandemie ist eine weltweite Pandemie. Sie kann nur durch internationale Solidarität und Zusammenarbeit bekämpft werden. Die Bundesregierung tut das Gegenteil. Deutschland ist maßgeblich verantwortlich für die EU-Austeritätspolitik, die Länder wie Griechenland, Italien und Spanien in die Knie gezwungen hat. Ein Ergebnis dieser Politik sind Verarmung, kaputte Gesundheitssysteme und Tausende Tote durch das Corona-Virus. Auch in dieser Krise verweigert Deutschland selbst den Ländern der EU ausreichende Hilfe. Die Aufnahme von 50 Kindern aus den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln -erst nach wochenlangem Zögern und noch dazu geknüpft an Bedingungen - kennzeichnet die mörderische die heuchlerische, menschenverachtende Politik der Bundesregierung als Heuchelei. 

Die imperialistischen Länder halten an den Sanktionen gegen Iran, Syrien, Russland, Kuba, Venezuela und weitere Staaten, die sich ihnen nicht unterordnen fest. USA, EU und die Bundesregierung verweigern die enge Zusammenarbeit mit China, schlagen Hilfsangebote aus und diffamieren kubanische, chinesische und russische Ärztebrigaden und Hilfen. Hier geht es nicht um die Bekämpfung des Virus, sondern um imperialistische Interessen.

Damit stellen sie sich gegen UN-Generalsekretär António Guterres und gegen die übergroße Mehrheit der Staaten weltweit. Zuletzt forderten China und die „G77“-Staaten das Ende ökonomischer Zwangsmaßnahmen. Sie repräsentieren rund 80 Prozent der Weltbevölkerung. Auf Initiative der Kommunistischen Partei Chinas sprachen sich über 230 Parteien aus mehr als 100 Ländern – darunter die DKP – für eine engere internationale Zusammenarbeit zur Eindämmung der Pandemie und ein Ende der Sanktionen aus. In Deutschland hat die DKP eine entsprechende Petition an die Bundesregierung gestartet.

Wir fordern:
    
- Enge Kooperation mit China, Kuba und anderen Staaten, die über große Erfahrung in der Epidemiebekämpfung verfügen!
- Aufhebung aller Sanktionen gegen Kuba, Russland, China, Venezuela, Iran, Syrien und andere "missliebige" Staaten. Stattdessen allgemeiner Schuldenerlass der ärmsten Länder für Pandemiebekämpfung!
-Sofortige Hilfe für die stark betroffenen Länder, so wie sie Russland, China und Kuba bereits leisten!


Für den Sozialismus!

Die Corona-Krise mit Tausenden Toten zeigt einmal mehr, dass der Kapitalismus keine Lösung für die Menschheitsprobleme bietet. Wo Gesundheit zur Ware geworden ist und das Gesundheitswesen der Profitmaximierung dient, wo Abschottung und Konkurrenz Prinzip sind, wo Krisen genutzt werden um das Monopolkapital zu stärken, lässt sich eine Pandemie nicht bekämpfen. Dieses System geht über Leichen. Es ist an der Zeit wieder über Planwirtschaft, Vergesellschaftung und den Sozialismus zu reden. Dafür stehen die Kommunistinnen und Kommunisten. Wir sehen im Sozialismus die Zukunft.

Als Kommunistinnen und Kommunisten sehen wir es jetzt als unsere Aufgabe an, gemeinsam mit anderen unsere  Rechte im Betrieb und der Gesellschaft zu verteidigen und Solidarität in der Nachbarschaft organisieren! 

Wir rufen euch auf: 
    
- Stärkt die bestehenden betrieblichen und gewerkschaftlichen Strukturen! Baut neue auf und schafft Kontakt und virtuellen Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen!
- Setzt euch als Vertrauensleute, Betriebs- oder Personalräte, als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für die konsequente Einhaltung von Schutzmaßnahmen gegen das Corona-Virus ein! Fordert die flächendeckende Testung!
- Verteidigt Arbeitszeit- und Pausenregelungen, Arbeits- und Gesundheitsschutz, speziell den Jugendarbeitsschutz, organisiert euch gegen drohende Betriebsschließungen, Kurzarbeit und für gute Betriebsvereinbarungen zum Beispiel für das Arbeiten im Home-Office!
- Stellt gemeinsame Forderungen auf, diskutiert diese und macht Druck gegenüber den Unternehmen!
- Schafft Nachbarschaftsnetzwerke, seid solidarisch und helft einander! Unterstützt die Nachbarn beim Einkaufen, kochen oder der Kinderbetreuung, helft bei den Hausaufgaben und achtet auf die in diesen Zeiten besonders Betroffenen!
- Diskutiert mit den Nachbarinnen und Nachbarn über das, was passiert: Über die verfehlte Gesundheitspolitik im Kapitalismus, den Grundrechteabbau im Schatten der Krise, das Abwälzen der Krisenlasten auf die Bevölkerung zur Rettung der Banken und Konzerne und über die Notwendigkeit internationaler Solidarität! 


14.04.2020


Auch schon vor Corona stand die Weltwirtschaft vor einer neuen Rezession. Spätestens seit Herbst 2019. Nicht Corona ist die Ursache der Krise, die Pandemie verschärft die kapitalistische Krise nur. Seit 2018 schon gibt es insbesondere auch in Deutschland bei der Autoherstellung einen absoluten Rückgang, der sich in den ersten Wochen von 2020 beschleunigte. Da die Autoindustrie der wichtigste Industriezweig ist, zieht er auch die gesamte andere Industrie mit nach unten.

Anfang Januar 2020 war die Weltautoproduktion gegenüber dem vorausgegangenen Höchststand bereits um knapp 9 Prozent niedriger. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf eine typische zyklische Überproduktionskrise. Dazu kommt, dass etliche Autofirmen ziemlich angeschlagen sind wegen des Dieselbetrugs, der Milliarden gekostet hat. Außerdem steht eine große Umstrukturierung hin zu Elektroautos an, die als Reaktion auf die Klimakrise eingeleitet wurde, zwar keine Verbesserung für die Umwelt bringen wird, aber natürlich viele Milliarden Investitionen verschlingt.

Geht es um Schutz der Beschäftigten?

Nun stehen erst mal seit Mitte März für einige Wochen viele Räder in der Autoindustrie und bei Zulieferern still: Volkswagen, Audi, Ford, Opel, Daimler, Porsche, Autozulieferer Mahle, Continental, ZF und Bosch und viele andere. Gerne begründet als Schutzmaßnahme für die Beschäftigten gegen das Coronavirus. So steht zum Beispiel in der Daimler-Info an die Beschäftigten: „Mit dieser Maßnahme leistet das Unternehmen seinen Beitrag, die Belegschaft zu schützen, Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung dieser Pandemie einzudämmen.“ Dort steht aber auch, dass neben dem Notbetrieb (was nachvollziehbar ist) auch bei wichtigen Anlaufthemen, im Kundenservice und zur Sicherstellung internationaler Lieferketten weitergearbeitet wird. Das lässt schon Zweifel aufkommen, wie ernst es den Vorständen mit dem Schutz der Beschäftigten ist, wenn Lieferketten sicherzustellen wichtiger als die Gesundheit ist.

Seit Wochen schon verbreitet sich das Virus in Deutschland, am 11. März wurde offiziell eine Pandemie ausgerufen. Trotz dieser Gefahr wurde erst mal voll weiterproduziert. Dies zeigt, wie wichtig den Kapitalisten die Gesundheit der Beschäftigten ist. Auch das Beispiel Daimler in Rastatt zeigt dies. Dort konnten Kollegen, die im Elsass wohnen und in Rastatt arbeiten, auch nach der Einstufung des Elsass als Risikogebiet durch das Robert-Koch-Institut weiterhin an ihrem Arbeitsplatz arbeiten, bis sich andere Kollegen an die Medien wandten und dies anprangerten.

Solange es in der Autoindustrie genügend Fahrzeugteile gab, lief die Produktion weiter. Doch diese zu besorgen, wurde aufgrund der globalisierten Auto- und Zulieferindustrie immer schwieriger. Die Produktion kam immer häufiger ins Stocken. Teile fehlten, insbesondere auch Teile aus China. Erst ab diesem Zeitpunkt kamen erste Schließungen von Autofirmen. Dies hat auch die Zulieferer betroffen. Sie schließen aber auch mit aus dem Grund, weil die Abnehmer ihrer Teile – also die Autofabriken – schließen. Ganz anders zum Beispiel im Maschinenbau. Coperion hat einen extrem hohen Auftragsbestand. Dort wird in Stuttgart komplett weitergearbeitet, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen, obwohl der Betriebsrat darauf drängt zu schließen.

Wer zahlt?

Nun wurden die Kolleginnen und Kollegen von vielen Autofirmen erst mal nach Hause geschickt. Die meisten empfinden es als eine deutliche Entlastung, waren sie doch beständig der Ansteckungsgefahr ausgesetzt, da an den Arbeitsplätzen, in den Kantinen, auf dem Weg zur Arbeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln der notwendige Abstand nicht eingehalten werden konnte. Und nicht nur sie waren in Gefahr, auch ihre Familien. Doch die finanziellen Einbußen drücken auch die Stimmung. So müssen in vielen Betrieben für die ersten zwei Wochen Urlaub, Gleitzeit oder Freischichten eingebracht werden. Dies hat seinen Grund darin, dass keine Kurzarbeit beantragt werden kann, wenn noch zu viel Urlaub zur Verfügung steht. Trotzdem bedeutet dies natürlich erst mal, dass die Beschäftigten mit ihren freien Tagen für die Schließung bezahlen. Voraussichtlich wird nach diesen zwei Wochen in Kurzarbeit gegangen.
In den letzten Monaten nutzten bereits viele Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit, um so die Auswirkungen der Krise abzufedern. Vor drei Monaten lag der Anteil der Unternehmen, die das Instrument nutzten, in der gesamten Industrie mit 8,4 Prozent so hoch wie zuletzt 2010 – im Nachgang der Finanzkrise. Der Anteil dürfte seither noch deutlich gewachsen sein und wird in den kommenden Monaten nochmals extrem ansteigen. Die Anträge auf Kurzarbeit gingen aber bereits „durch die Decke“, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA) vor einigen Tagen. In den kommenden Wochen und Monaten wird mit über 2 bis 3 Millionen Kurzarbeitenden gerechnet. Dies wären mehr als in der letzten Krise 2008/2009 mit knapp 1,5 Millionen.

Was ist jetzt notwendig?

Das Kurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit beträgt zwischen 60 und 67 Prozent (mit Kindern) des ausgefallenen Nettoentgelts. Das ist nicht viel und reicht nicht, um über die Runden zu kommen. Es gibt zwar in etlichen Branchen und Bezirken Tarifverträge, die die Arbeitgeber verpflichten, einen Zuschuss zum staatlichen Kurzarbeitergeld zu zahlen, so dass die Beschäftigten zwischen 75 und 97 Prozent des Nettogehalts erhalten. Allerdings kommt nur eine Minderheit der Tarifbeschäftigten in diesen Genuss. Umso wichtiger wäre eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für alle auf mindestens 90 Prozent, noch besser eine Freistellung für alle bei Lohnfortzahlung. Denn das Kurzarbeitergeld zahlen letztendlich die Beschäftigten über Steuern und Sozialabgaben selbst.

Wichtig wäre in der jetzigen Situation ein gesellschaftlicher Plan: Schließung aller Betriebe, die nicht für lebensnotwendige Versorgungsabläufe gebraucht werden. Dafür die Produktion von Schutzkleidung, Medikamenten und so weiter ausbauen, die gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen wie Pflege, Transport, Lebensmittelproduktion und -handel stärken und für die noch Beschäftigten die bestmöglichen Schutz­ausrüstungen bereitstellen. Alle Entlassungen müssen verhindert werden. Im Mittelpunkt muss die Gesundheit stehen und nicht Aktienkurse und Profite.

Christa Hourani

Aufruf des Aktionsbündnis 8. März vom 24. März 2020

Im Moment beschäftigt die Gesellschaft nichts anderes so sehr wie die Covid-19-Pandemie. Dabei scheint das restliche Geschehen still zu stehen. 
Das stimmt allerdings nicht: 
Die Unterdrückung der Frau hat sich ja schließlich nicht aufgelöst – im Gegenteil: Gewalt an Frauen steigt, Frauenhäuser sind überfüllt und Frauen sind, stärker als davor, diejenigen, die den Laden am Laufen halten. Ob im Einzelhandel, der Pflege oder im Erziehungswesen – sie sind es, die unsere Grundversorgung garantieren. 
Immer noch werden sie nach wie vor viel zu gering entlohnt und kaum geschätzt. Beifall und Dankesworte ersetzen noch lange keine fairen Löhne, Arbeitsbedingungen und ein funktionierendes Gesundheitssystem. 
Ein Zitat einer Pflegefachkraft: 
 „Wir Pflegekräfte brauchen keine Klatscherei. Wir wollen auch keine Merci-Schokolade und warmen Worte! Wir brauchen 4000 Euro brutto, mehr Personal, Gefahrenzulagen und ein entprivatisiertes Gesundheitssystem!“

Statistiken belegen die wesentliche Rolle der Frau in der Gesellschaft:


Die Gewalt an Frauen nimmt in Krisenzeiten zu
Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben zur Folge, dass sich viele Menschen ununterbrochen zu Hause aufhalten. Bereits nach kurzer Zeit wird dies zu einer psychischen Belastung. Unter anderem durch finanzielle Sorgen wegen Jobverlusten oder Kurzarbeit, die anfallende 24/7 Betreuung der eigenen Kinder und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten. Gerade kontrollsüchtige Partner nutzen die Situation aus. 
Die Krise, in der sich viele jetzt befinden, eskaliert angesichts dieser Faktoren. 
Vor allem für Frauen ist das jetzt besonders gefährlich. Jetzt sind sie komplett der Gewalt ihres Partners ausgesetzt. Ausgangssperren verhindern, sich dem gewalttätigen Partner zu entziehen. Zusätzlich wird Gewalt infolge der Isolation seltener von außen bemerkt. 
In China hat sich die Vermutung bestätigt: Frauen sind seit der Krise dreimal so oft von häuslicher Gewalt betroffen. Auch in Spanien, Italien und Österreich machen sich die ersten Auswirkungen für Frauen bemerkbar.
Frauenhäuser geben bereits jetzt schon an, noch stärker überlastet zu sein als zuvor. In Baden-Württemberg fehlen ohnehin schon mindestens 633 Plätze in Frauenhäusern. Zusätzlich ist das Ansteckungsrisiko für Betroffene und Mitarbeiterinnen auf so engem Raum enorm hoch. 
Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gibt bekannt, es sei sich der Problematik bewusst. Konkrete Lösungen kommen aber nicht. Stattdessen sind Frauenhäuser teils den Kommunen und teils sich selbst überlassen. 
Wir brauchen keine Franziska Giffey, die sich Frauenministerin schimpft, jedoch keinen Finger rührt, uns Frauen zu helfen! Es ist wichtig, dass wir uns jetzt zusammenschließen! Wir müssen weiter für das kämpfen, was jetzt entscheidend ist. 
Es darf keine Ausgangssperre geben: Sie ist für Frauen gefährlich! Wenn wir nicht vor die Türe gehen können, können wir nicht vor der Gewalt fliehen. Wir können uns keine Hilfe holen. Wenn Frauenhäuser überfüllt sind, haben wir keine sichere Bleibe. So schnell wie möglich müssen Notunterkünfte bereitgestellt werden; leerstehende Häuser, Wohnungen und Hotels sind mehr als genug, um uns Schutz vor häuslicher Gewalt zu bieten. 
Das Gesundheitssystem muss entprivatisiert und ausgebaut werden. Personal in der Pflege, im Einzelhandel und im Erziehungswesen verdienen mehr als Applaus. Wir fordern höhere Löhne für eben diejenigen, die nicht erst seit gestern, sondern schon immer die Säule stellen, die unsere Gesellschaft aufrecht erhält. 
Hier möchten wir noch betonen: Hätte man nicht jahrelang das Gesundheitssystem kaputtgespart – entgegen sämtlicher Empfehlungen – stünden wir nicht an dem Punkt, an dem wir jetzt sind. Es kann nicht sein, dass es einer Krise bedarf, um anzuerkennen, welche wichtige Rolle die Frau hier spielt. Und trotzdem wird seitens der Politik nicht eingeräumt, dass drastische Fehler die letzten Jahre begangen wurden. 
Stattdessen wird mantraartig wiederholt, wir sollen solidarisch miteinander sein, indem wir Daheim bleiben. Ja, das stimmt. Solidarität heißt aber auch, mit denen zu kämpfen, die es im Moment besonders hart trifft – ob zu Hause oder im Job. 


Frauen helfen Frauen ist ein Verein, der Frauen hilft, wenn diese von Gewalt betroffen sind. 
Unter folgender Nummer sind sie zu erreichen: 0711 54 20 21
Ebenso hilft das Städtische Frauenhaus weiter: 0711 41 42 430
und die Beratungsstellen bei Häuslicher Gewalt:
Frauenberatung FrauenFanal: 0711 4800212
Beratungsstelle BIF – Beratung und Information für Frauen Tel: 0711. 649 45 50
FrauenInterventionsstelle (Beratung nach einem Polizeieinsatz): 0711 6744826
Das bundesweite Hilfetelefon bei häuslicher Gewalt ist zu erreichen unter: 0800 011 6016

Zum angekündigten Stellenabbau bei Daimler-Benz erklären Björn Blach, Bezirksvorsitzender der DKP in Baden-Württemberg, und Patrik Köbele, Parteivorsitzender der DKP:
 
Der neue Daimler-Konzernchef Ola Källenius musste auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz die „Anleger“ enttäuschen: es gibt pro Aktie nur noch 90 Cent Dividende. Der grüne Ministerpräsident Kretschmann beruhigt, er sehe Daimler nicht in der Krise. Die darf es beim Daimler auch nicht geben.
 
Trotz der Überproduktion der Automobilindustrie gelang dem Stuttgarter Konzern eine Steigerung des Umsatzes um 3 Prozent. Die Ursachen für den Gewinnrückgang benennt der Konzern mit sogenannten Zusatzkosten. Dahinter verstecken sich der Dieselbetrug und Probleme mit Airbags. Rechnet man die Zusatzkosten zum Gewinn vor Steuern, sind fast 10 Milliarden aus den Beschäftigten gepresst worden.
 
Für bessere Laune bei den „Anlegern“ soll nun ein Sparprogramm sorgen. Durch die Medien wandert die Zahl von 15.000 zu streichenden Stellen. Schon im vergangenen Jahr wurden allein im Werk Untertürkheim 1.000 Leiharbeiter entlassen.
 
Verzichten müssen die Daimler-Mitarbeitenden auch auf einen großen Teil ihrer „Erfolgsprämien“. Von knapp 5.000 Euro im letzten Jahr bleiben 1.100. Hätten sich die Kollegen nicht eine Prämie schenken lassen, sondern für tabellenwirksame Prozente gekämpft, könnte man ihnen die jetzt nicht so einfach nehmen. Vielleicht hätte sich der Gegenwert der Prämie in der Fläche nicht durchsetzen lassen, das wichtigere Ergebnis wäre die Verhinderung der Spaltung der Belegschaften in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie gewesen.
 
Die Beschäftigen zahlen damit nicht nur die Betrügereien und Fehler des Managements, sie sollen auch den Umbau des Konzerns zahlen. Der angebliche Gewinnrückgang ist eine Nebelkerze. Sie soll verschleiern, dass auf der einen Seite massive Investitionen nötig sind, um beim Thema Digitalisierung nicht abgehängt zu werden. Auf der anderen Seite gesamtgesellschaftlich das Konzept des Individualverkehrs überholt ist und die Automobilindustrie in ihrer jetzigen Form nur noch für die Profite der „Anleger“ einen Nutzen hat.
 
Für die Arbeitenden gilt es zu erkennen: Die allgemeine Krise des Kapitalismus lässt sich nicht mit Standortlogik und Co-Management lösen.
 
Es braucht einen demokratisch entwickelten Plan, der die Beschäftigung durch radikale Arbeitszeitverkürzung sichert, die technischen Innovationen nutzt und die Produktion auf die Zukunft umstellt, auf Produkte, die die Menschen brauchen, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen sowie die Umwelt berücksichtigt.
 
Dazu braucht es die gemeinsame, vereinigte Kraft aller Arbeitenden, ihren Willen dieses Land und diesen Staat zu führen, in ihrem und im Interesse der Mehrheit der Menschen.
 

 

Betteln statt Tarifkampf? Nein Danke!

Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung! Entschlossener Kampf!

Die Unternehmen wollen gerade alles: Umstellen auf E-Autos und Digitalisierung, die herkömmlichen Produkte weiterverkaufen und neue entwickeln, alte Märkte sichern und neue erschließen. Und das alles in Zeiten drohender neuer Krise und von Handelskriegen à la Trump! Die Unternehmen wollen aber vor allem, dass wir, die Kolleginnen und Kollegen das alles bezahlen: Auf Lohn verzichten, den Job verlieren, umsonst länger, mehr und schneller in der gleichen Zeit arbeiten, und dann noch das Chaos bewältigen, das die Manager mit ihren Umstrukturierungen und Sparprogrammen in den Betrieben anrichten. Sie sind so frech, ständig kaum abgeschlossene „Zukunftsvereinbarungen“ wieder infrage zu stellen, neue Zumutungen zu verlangen. Oder sich überhaupt Verhandlungen zu verweigern und ihre Zumutungen zu diktieren.

Unsere Interessen zählen!

Längst haben viele Kolleginnen und Kollegen erkannt: Ohne Widerstand geht in der Tarifrunde gar nichts! Ohne Kampf erreichen wir vielleicht Krümel vom Tisch der Bosse. Deshalb sollten Kolleginnen, Kollegen, Vertrauensleute, Delegierte sich nicht scheuen, ihre Interessen und Forderungen klar zu sagen:

Personalabbau sofort stoppen!

Alle Entlassungen, Stilllegungen und Verlagerungen müssen sofort gestoppt werden, auch das so genannte „Abmelden“, das Feuern der LeiharbeiterInnen! Leihkräfte müssen fest eingestellt werden! Das ist ein Gebot der Solidarität! Schluss mit dieser üblen Spaltung!

Arbeitszeitverkürzung jetzt!

Wir fordern Arbeitszeitabsenkung bei vollem Lohnausgleich sofort!

- Besonders da, wo die Kapazitäten nicht ausgelastet sind und

- Allgemeine tarifliche Arbeitszeitverkürzung für alle um mindestens 2 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich - auf mittlere Sicht die 30-Stundenwoche

- In den östlichen Bundesländern muss die Arbeitszeit sofort an den Westen angepasst werden. Sofortige Reduzierung auf die 35-Stundenwoche!

- Betriebsräte sollen keine Überstunden und Sonderschichten mehr genehmigen! Klare Kante zugunsten einer Umverteilung der Arbeit auf alle!

Lohnerhöhung 5%! Mindestens 200 Euro!

Aus Tarifkommissionen im Land sind bereits Vorstellungen zwischen 4 und 6 % zu hören. Diese Diskussion darf nicht abgewürgt werden. Deshalb stellen wir eine Forderung von 5% Lohnerhöhung, mindestens 200 Euro zur Diskussion.

IG Metall-Vorstand – so nicht!

Wenn der IG-Metall Vorstand um Jörg Hofmann, wie dieser beteuert, eine Lohnerhöhung will, soll er die Mitgliedschaft und ihre Forderungen anhören! Stattdessen bietet er, ohne die Mitglieder zu fragen, in einem Moratorium einen Zukunftspakt der Illusionen an: Ein „Friedensangebot“ – vor Ende der Friedenspflicht soll es zu einem Abschluss kommen! Ohne eine konkrete Zahl für die Lohnerhöhung sollen die Verhandlungen beginnen! Dies ist eine offene Einladung an das Kapital, in Hinterzimmern auf Kosten der Kolleg/innen eine Nullnummer auszubaldowern!

Jörg Hofmann sagt selber, dass bei Unterauslastung einzelner Beschäftigtengruppen „vorrangig eine Rückführung des Arbeitsvolumens ohne Entgeltabsenkung“ nötig sei. Leider soll laut offiziellen Unterlagen der Tarifkommission Baden-Württemberg dies erfolgen durch: „Etwa durch die Nutzung von Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit mit Aufzahlung und Arbeitszeitabsenkung mit Teillohnausgleich.“ Dies heißt aber, dass wir die Krisenfolgen bezahlen sollen. Da sagen wir klar: Nein! Warum keine Forderung nach Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohn- und Personalausgleich solidarisch für alle gemeinsam?

Kampfmaßnahmen jetzt vorbereiten!                                    

Wenn der IG Metall-Vorstand glaubt, unter illusorischen Appellen an die Fairness einem entschlossenen Kampf der Gewerkschafterinnen gegen die Metall-Kapitalisten ausweichen zu können, ist er auf dem Holzweg. So werden bestenfalls ein paar Kompromisse erreicht, die wir selber zu bezahlen haben, aber keine substanziellen Verbesserungen. Die Reaktion der Metall-Arbeitgeberverbände von Bayern und Baden-Württemberg Ende Januar zeigen, wohin solch ein „Unterwerfungsangebot“ seitens der IG Metall führt: Die Kapitalseite will eine 5jährige Laufzeit! 5 Jahre Ruhe im Betrieb. 5 Jahre schalten und walten nach ihrem Gusto. Wir wollen keine 5 Jahre ihre Herrschaft erdulden müssen, ohne die Möglichkeit, uns zu wehren und tarifliche Kämpfe zu führen. Wir sagen klar und deutlich: Wir wollen kein Moratorium. Wir geben unser stärkstes Mittel im Kampf für unsere Interessen – unser tarifliches Streikrecht – nicht für 5 Jahre her!

Wir sollten jetzt anfangen, Warnstreiks und Kampfmaßnahmen vorzubereiten.