Frauen in der Corona-Krise

Aufruf des Aktionsbündnis 8. März vom 24. März 2020

Im Moment beschäftigt die Gesellschaft nichts anderes so sehr wie die Covid-19-Pandemie. Dabei scheint das restliche Geschehen still zu stehen. 
Das stimmt allerdings nicht: 
Die Unterdrückung der Frau hat sich ja schließlich nicht aufgelöst – im Gegenteil: Gewalt an Frauen steigt, Frauenhäuser sind überfüllt und Frauen sind, stärker als davor, diejenigen, die den Laden am Laufen halten. Ob im Einzelhandel, der Pflege oder im Erziehungswesen – sie sind es, die unsere Grundversorgung garantieren. 
Immer noch werden sie nach wie vor viel zu gering entlohnt und kaum geschätzt. Beifall und Dankesworte ersetzen noch lange keine fairen Löhne, Arbeitsbedingungen und ein funktionierendes Gesundheitssystem. 
Ein Zitat einer Pflegefachkraft: 
 „Wir Pflegekräfte brauchen keine Klatscherei. Wir wollen auch keine Merci-Schokolade und warmen Worte! Wir brauchen 4000 Euro brutto, mehr Personal, Gefahrenzulagen und ein entprivatisiertes Gesundheitssystem!“

Statistiken belegen die wesentliche Rolle der Frau in der Gesellschaft:


Die Gewalt an Frauen nimmt in Krisenzeiten zu
Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben zur Folge, dass sich viele Menschen ununterbrochen zu Hause aufhalten. Bereits nach kurzer Zeit wird dies zu einer psychischen Belastung. Unter anderem durch finanzielle Sorgen wegen Jobverlusten oder Kurzarbeit, die anfallende 24/7 Betreuung der eigenen Kinder und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten. Gerade kontrollsüchtige Partner nutzen die Situation aus. 
Die Krise, in der sich viele jetzt befinden, eskaliert angesichts dieser Faktoren. 
Vor allem für Frauen ist das jetzt besonders gefährlich. Jetzt sind sie komplett der Gewalt ihres Partners ausgesetzt. Ausgangssperren verhindern, sich dem gewalttätigen Partner zu entziehen. Zusätzlich wird Gewalt infolge der Isolation seltener von außen bemerkt. 
In China hat sich die Vermutung bestätigt: Frauen sind seit der Krise dreimal so oft von häuslicher Gewalt betroffen. Auch in Spanien, Italien und Österreich machen sich die ersten Auswirkungen für Frauen bemerkbar.
Frauenhäuser geben bereits jetzt schon an, noch stärker überlastet zu sein als zuvor. In Baden-Württemberg fehlen ohnehin schon mindestens 633 Plätze in Frauenhäusern. Zusätzlich ist das Ansteckungsrisiko für Betroffene und Mitarbeiterinnen auf so engem Raum enorm hoch. 
Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gibt bekannt, es sei sich der Problematik bewusst. Konkrete Lösungen kommen aber nicht. Stattdessen sind Frauenhäuser teils den Kommunen und teils sich selbst überlassen. 
Wir brauchen keine Franziska Giffey, die sich Frauenministerin schimpft, jedoch keinen Finger rührt, uns Frauen zu helfen! Es ist wichtig, dass wir uns jetzt zusammenschließen! Wir müssen weiter für das kämpfen, was jetzt entscheidend ist. 
Es darf keine Ausgangssperre geben: Sie ist für Frauen gefährlich! Wenn wir nicht vor die Türe gehen können, können wir nicht vor der Gewalt fliehen. Wir können uns keine Hilfe holen. Wenn Frauenhäuser überfüllt sind, haben wir keine sichere Bleibe. So schnell wie möglich müssen Notunterkünfte bereitgestellt werden; leerstehende Häuser, Wohnungen und Hotels sind mehr als genug, um uns Schutz vor häuslicher Gewalt zu bieten. 
Das Gesundheitssystem muss entprivatisiert und ausgebaut werden. Personal in der Pflege, im Einzelhandel und im Erziehungswesen verdienen mehr als Applaus. Wir fordern höhere Löhne für eben diejenigen, die nicht erst seit gestern, sondern schon immer die Säule stellen, die unsere Gesellschaft aufrecht erhält. 
Hier möchten wir noch betonen: Hätte man nicht jahrelang das Gesundheitssystem kaputtgespart – entgegen sämtlicher Empfehlungen – stünden wir nicht an dem Punkt, an dem wir jetzt sind. Es kann nicht sein, dass es einer Krise bedarf, um anzuerkennen, welche wichtige Rolle die Frau hier spielt. Und trotzdem wird seitens der Politik nicht eingeräumt, dass drastische Fehler die letzten Jahre begangen wurden. 
Stattdessen wird mantraartig wiederholt, wir sollen solidarisch miteinander sein, indem wir Daheim bleiben. Ja, das stimmt. Solidarität heißt aber auch, mit denen zu kämpfen, die es im Moment besonders hart trifft – ob zu Hause oder im Job. 


Frauen helfen Frauen ist ein Verein, der Frauen hilft, wenn diese von Gewalt betroffen sind. 
Unter folgender Nummer sind sie zu erreichen: 0711 54 20 21
Ebenso hilft das Städtische Frauenhaus weiter: 0711 41 42 430
und die Beratungsstellen bei Häuslicher Gewalt:
Frauenberatung FrauenFanal: 0711 4800212
Beratungsstelle BIF – Beratung und Information für Frauen Tel: 0711. 649 45 50
FrauenInterventionsstelle (Beratung nach einem Polizeieinsatz): 0711 6744826
Das bundesweite Hilfetelefon bei häuslicher Gewalt ist zu erreichen unter: 0800 011 6016

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