Beim bundesweiten Bosch-Aktionstag protestieren 25.000 KollegInnen gegen Personalabbau

Tausende Arbeitsplätze wurden in den letzten Jahren bei Bosch, insbesondere in der Mobility-Sparte, bereits abgebaut und verlagert, weitere Tausende sollen folgen – dagegen wehrte sich am 20. März die Belegschaft von Bosch mit einem bundesweiten Aktionstag. Die größte Kundgebung fand am Bosch-Hauptsitz auf der Schillerhöhe in Gerlingen (Nähe Stuttgart) mit über 10.000 Beschäftigten statt.

Weitere Kundgebungen gab es in Ansbach, Bamberg, Blaichach/Immenstadt, Eisenach, Hildesheim, Homburg, Nürnberg, und Salzgitter. Insgesamt 25.000, darunter sehr viele Angestellten, wehrten sich gemeinsam gegen diesen Kahlschlag. „Boschler aller Werke vereinigt euch“, war auf dem Schild eines Kollegen zu lesen. Genau das wurde beim Aktionstag umgesetzt, die größte Aktion seit 30 Jahren Aber es waren auch viele solidarischen MetallerInnen aus anderen Werken da, so von Mercedes aus Sindelfingen und Untertürkheim und Mahle-Behr Feuerbach, die die Boschler unterstützten, kämpfen sie doch mit den gleichen Angriffen von Seiten ihrer Kapitalisten.

Insgesamt arbeiten bei Bosch in Deutschland knapp 134.000 Beschäftigte. Im Juli 2023 hatten Betriebsrat, IG Metall und Geschäftsführung eine Zukunftsvereinbarung für die knapp 80.000 Beschäftigten der Mobilitiy-Standorte abgeschlossen, die umsatzstärkste Sparte mit einem Erlös von 56,3 Milliarden Euro. Dort wurde letztes Jahr ein Wachstum um 7 Prozent, wechselkursbereinigt um 11 Prozent erzielt. In der Mobilitätssparte sind in den letzten 4 Jahren bereits 4.000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Wenn der jetzt angekündigte Stellenabbau von weiteren 3000 umgesetzt würde, dann bedeute das die Vernichtung von 7.000 Arbeitsplätzen in sechs Jahren, fast jeden 10. Arbeitsplatz in dieser Sparte. Eine Klatsche für die erst letztes Jahr abgeschlossene Zukunftsvereinbarung. Neben der Mobility-Sparte sind auch die Bereiche Power Tools und Building Technologies vom Personalabbau betroffen. Unter anderem sollen Teilbereiche und Standorte verkauft werden.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch Mobility Solutions Frank Sell nannte es auf der Kundgebung einen Irrsinn, dass es 2000 offene Stellen bei Bosch gibt, die nicht besetzt werden, aber 3500 Kollegen rausgeschmissen werden sollen. In den Verhandlungen mit der Geschäftsleitung betone diese immer wieder, dass der Personalabbau „alternativlos“ sei – für ihn ist dies das Unwort des Jahres 2024. In 5 Monaten Verhandlungen waren sie nicht bereit, auch nur eine Stelle weniger abzubauen und das, obwohl Bosch gute Gewinne verzeichnet. Er forderte zentrale Gespräche ein – die Gegenseite will Standort für Standort verhandeln. Diese „Teile und Herrsche-Politik“ verurteilte er. Ihr muss die Solidarität aller Boschler entgegen gesetzt und Flagge gezeigt werden. Es würde nicht bei diesem Aktionstag bleiben, weitere würden folgen, bis die Ziele erreicht sind. Für diese Ansage gab es tosenden Applaus.

Barbara Resch, die neue IGM-Bezirksleiterin von Baden-Württemberg, kritisierte die Abbaupläne des Managements, zumal Bosch zugleich im Ausland investieren will. Sie forderte Investitionen für neue Produkte, Qualifizierung der Beschäftigten und Entwicklung von Infrastruktur. Sie zeigt den Widerspruch auf, dass bis vor kurzem noch händeringend Personal gesucht wurde – jetzt der Personalabbau alternativlos sei. Von der Politik erwartet sie, dass die Schuldenbreme fällt und die Landesregierung deutliche Worte sprechen muss. „Eure IG Metall steht hinter euch – Solidarität gewinnt“, so ihre Schlussworte.

Liane Papaioannou, seit kurzem 2. Bevollmächtigte der IGM Stuttgart, nannte die Reaktion der Geschäftsleitung als „kalten Wind des Verrat“. Es darf nicht zugelassen werden, dass das Wohl von vielen von einigen wenigen bedroht wird. Deshalb muss die Stimme erhoben, für Rechte eingetreten werden und es darf nicht geruht werden, bevor die Pläne vom Tisch sind. Die IGM hätte in den letzten Wochen mit 8000 Beschäftigten gesprochen und 1000 neue Mitglieder geworben. Das sei die Kraft der IGM. Sie verwies auf den Kampf für die 35-Stundenwoche vor 40 Jahren und zitierte aus einem Lied dieser Bewegung u.a. dem Schluss: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“.

Luca Ummenhofer, Vorsitzender der Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung des Unternehmensbereichs Mobility Solutions erklärte: „Wer wäre denn der Bosch, wenn wir nicht die jungen Leute gefördert und diese auch im Betrieb gehalten hätten?“ Bosch sei kein sozialer Arbeitgeber, er sei richtig sauer, wie mit Azubis und betrieblich Studierende umgesprungen wird. „Ohne uns, ohne die Jugend könnt ihr den Laden gleich abschließen, und zwar von außen. Wir sind die Zukunft von Bosch“.

Im Gespräch meinte ein Kollege, dass man eigentlich mit Millionen in Berlin Druck auf die Regierung machen müsste. Genau dieser Aspekt, die Kritik an der Regierungspolitik wegen Russland-Sanktionen, Verteuerung der Energie, Krisen- und Aufrüstungspolitik hat bei allen RednerInnen gefehlt. Die Probleme werden als Managementfehler dargestellt, die Systemkritik fehlte.

Trotz allem war es eine kämpferische Kundgebung. Es kamen mehr Beschäftigte als erwartet. Es war zu spüren, dass die Kolleginnen und Kollegen, auch die vielen anwesenden Angestellten, bereit sind, weiter für den Erhalt aller Arbeitsplätze zu kämpfen und mit Aktionen und Streiks Druck aufzubauen, bis diese Pläne vom Tisch sind.

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